Bei der Gedenkfeier zum Volkstrauertag der Stadt Ostfildern am 14. November am Friedhof in Nelllingen sprachen in diesem Jahr erstmals auch zwei Geflüchtete. Die Stadt wollte damit den Focus der Gedenkfeier, der bislang vor allem den Toten des Zweiten Weltkrieges und den Opfern des Nationalsozialismus galt, auf aktuelle Kriege in der Welt richten. Ali Al Ali aus Syrien und Ykalo Shishay aus Eritrea, die bei der Kranzniederlegung halfen, haben Krieg und Vertreibung, Leid und Todesangst hautnah erlebt. Der 19-Jährige Al Al Ali ist 2012 mit seiner Familie vor den Bombenangriffen aus Idlib geflohen. Neun Jahre lang lebten sie im Libanon. Die Kinder mussten arbeiten, um Miete und Essen zu verdienen. Schulen gab es nicht. 2019 konnte die Familie über ein UN-Programm nach Deutschland kommen. „Ich bin sehr froh, in Ostfildern zu leben“, sagte der junge Mann, der derzeit die Realschule besucht und später Medizin studieren möchte. Dem Freundeskres Asyl und der Stadt dankte er für die Unterstützung und wünschte allen ein gutes Leben. Ykalo Shishay floh aus Eritrea vor der Militärdiktatur. Seit sechs Jahren lebt er in Deutschland, arbeitet in Stuttgart. Der 25-Jährige sorgt sich um seine Familie. Seine Mutter hat er seit der Flucht nicht mehr gesehen. Sein Bruder sitzt in Libyen fest. „Wir wollen Frieden“, betonte er und bat um Verständnis für Geflüchte auch aus anderen Ländern. Zuvor hatte Ursula Zitzler, die Vorsitzende des Freundeskreises Asyl, auf aktuelle Kriege und Konflikte in der Welt hingewiesen: „Es ist ein Privileg, dass wir hier seit 76 Jahren im Frieden leben dürfen“ sagte sie und warb dafür, für eine humane Flüchtlingspolitik einzutreten. Oberbürgermeister Christof Bolay erinnerte daran, dass die heutige Generation die richtigen Lehren aus den Weltkriegen und den Gräueltaten der Nazizeit ziehen müsse. „Diskriminierung, Rassismus, Vourteile, Intoleranz und Ausgrenzen anderer Menschen darf und soll in Deutschland und in Ostfildern keinen Platz haben“, betonte er.