EnayatullahSupahi-2000Ich möchte gerne mein Studium in Deutschland fortsetzen“, sagt Enayatullah Supahi in perfektem Englisch. Ein Jahr hat er in Indien Informatik studiert, dann Betriebswirtschaft und die Landessprache Dari an der Universität Kabul und war als Mitglied des nationalen Taekwando-Teams sportlich erfolgreich. „Doch auch Kabul ist nicht mehr sicher“, erzählt er. 45 Tage war der 21-Jährige Afghane nach Deutschland unterwegs. Hier wurde er von einer Unterkunft in die andere verlegt: Er war in Schweinfurt, Karlsruhe, Aachen, Heidelberg und ist seit Ende November 2015 nun in der Blumenhalle. Nachdem anfängliche Probleme gelöst werden konnten, fühlt er sich dort sehr wohl. „Ich bin froh, hier zu sein“, betont er, „die Menschen sind alle sehr freundlich und helfen uns“. Besonders freut er sich über neue Freundschaften wie mit Johanna Steidle. Auch er hilft: Er dolmetscht in seiner Heimatsprache Dari im Stadthaus oder bei Arztbesuchen und bringt einer Gruppe von acht Analphabeten aus der Blumenhalle Lesen und Schreiben bei. Er selbst profitiert vom ehrenamtlichen Deutschunterricht und hebt hervor, die Helfer des Freundeskreises und die Nachbarn seine „wie eine Familie“. Ein besonders Lob hat er für Marcela Ulloa, die gemeinsam mit Malte Eckert die Blumenhalle koordiniert: „Sie ist wie eine Mutter für uns!“

Ich will in Deutschland so leben wie in Syrien, bevor der Krieg kam“, sagt Sipan Mohammad, der seit Mitte Februar 2015 in Ostfildern lebt.

Sipan„Ich möchte studieren“, betont er in fast akzentfreiem Deutsch. Der 19-jährige Syrer hätte in Aleppo noch ein halbes Jahr bis zur Hochschulreife gehabt, als seine Eltern ihn in das etwa 60 Kilometer entfernte Afrin zurückriefen. In Aleppo war es zu gefährlich geworden. Doch auch in Afrin konnte er nicht bleiben. Über ein halbes Jahr war er über die Türkei, Griechenland und die Ostbalkanroute auf der Flucht, über weite Strecken zu Fuß. In Ungarn wurde er gezwungen, seinen Fingerabdruck abzugeben. Dies macht ihm heute – obwohl die so genannte Dublin-Regelung ausgesetzt ist – Probleme: Er war von der Abschiebung bedroht und erhält nur befristete Duldungen. Doch er besucht die Friedrich-Ebert-Berufsschule in Esslingen; nach dem Abschluss dort sind es noch zwei Jahre bis zum Abitur. Sipan Mohammad spricht neben Arabisch auch Kurdisch, Türkisch und Englisch, verbessert sein Deutsch und er ist ein begabter Musiker, ob an der Gitarre oder am Klavier. Der junge Mann wird – vorausgesetzt er wird als Flüchtling anerkannt – seinen Weg in Deutschland machen.

Bericht in der Stadtrundschau Ostfildern vom 8.10.2015  –> lesen

Bericht in der Stadtrundschau Ostfildern vom 22.10.2015  –> lesen