Die Sprache ist der Schlüssel zur Kommunikation. Um den Flüchtlingen das Leben in der Fremde zu erleichtern, bieten Mitglieder des Freundeskreises regelmäßigen Deutschunterricht an. Wer möchte, kann hier einen Basiswortschatz erwerben, um einfache Alltagssituationen sprachlich zu meistern. Ein Großteil der Flüchtlinge kommt aus dem arabischen Sprachraum, manche sprechen Farsi, Kurdisch, Urdu oder Mandinga. Basis des Unterrichts ist bei vielen Schülern das Erlernen des lateinischen Alphabets.
Der Freundeskreis bietet in allen Gemeinschaftsunterkünften (GUs) ehrenamtliche Deutschkurse an. Die SprachlehrerInnen, darunter auch pensionierte LehrerInnen, haben zum Teil langjährige Erfahrung im Unterrichten. Dr. Gertrud Binder koordiniert für alle GUs die ehrenamtlichen Sprachkurse und gibt Tipps für Lehrmaterialien und den Unterricht.
Der Freundeskreis legt Wert auf Fortbildung: An der Volkshochschule Ostfildern hat im Mai 2016 eine erste Fortbildungsreihe für ehrenamtliche SprachlehrerInnen begonnen. Diese soll, sofern der VHS dafür Geld- bzw. Projektmittel zur Verfügung stehen, weiter geführt werden.

Koordinatorin der Sprachgruppe ist Dr. Gertrud Binder (E-Mail: binder.gertrud@arcor.de).

Der Freundeskreis Asyl Ostfildern hat  für die Flüchtlinge folgendes  mehrstufige System für das Deutschlernen entwickelt:

Stufe 1) Die Geflüchteten besuchen die ehrenamtlichen Sprachkurse in den GUs. Dort wird eine Anwesenheitsliste geführt. Wenn die Teilnehmer regelmäßig die Kurse besucht haben und 40 Unterrichtseinheiten erreicht worden sind (Rückmeldung an Dr. Gertrud Binder), wird der Freundeskreis Basis-Kurse an der VHS buchen.

Stufe 2) Basis-Kurse an der VHS: Der Freundeskreis bucht diese Kurse an der VHS mit Mitteln aus dem FlüAG (Flüchtlingsaufnahmegesetz), aufgestockt durch die Ermäßigung über den Familienpass der Stadt Ostfildern. Der Basiskurs umfasst etwa 50 Unterrichtseinheiten.

Bedingung: Die Teilnehmer müssen einen Familienpass vorweisen. Teilnehmen können grundsätzlich alle Flüchtlinge – unabhängig von ihrer Nationalität (und Bleibewahrscheinlichkeit) sowie Alter. Es wird keine Fahrkarte finanziert.
Sofern es genügend Teilnehmer für den Basiskurs (FlüAG) gibt, wird differenziert: in eine Alpha-Gruppe (Alphabetisierung) und in einen Grundkurs. Zudem besteht die Möglichkeit, eine Fördergruppe einzurichten für Flüchtlinge mit hoher Bildung und Fremdsprachenkenntnissen (Englisch oder Französisch). Für diese Gruppe stockt der Freundeskreis aus Spendenmitteln den Basiskurs (FlüAG) auf: Dieser soll zum Sprachzielniveau A1.1. führen.

Stufe 3) Der Freundeskreis kann einzelnen, leistungswilligen und zuverlässigen Geflüchteten, die keine Chance auf einen Integrationskurs haben, einen Integrationskurs (sofern es freie Plätze gibt) an der VHS Ostfildern teilfinanzieren (Selbstzahler).

Bedingung: Antrag vorab an den Vorstand mit Empfehlung der ehrenamtlichen Betreuer und der VHS (Erfahrung, Teilnahme am Basiskurs (FlüAG-). Familienpass muss vorliegen. Es wird keine Fahrkarte finanziert.
Der Freundeskreis übernimmt die Hälfte der Selbstzahlerkosten für Familienpassinhaber. Die andere Hälfte (derzeit ca. 75 Euro) trägt der Geflüchtete selbst. Mit Hilfe eines 1-Euro-Jobs kann er diese Kosten selbst erwirtschaften (und hätte, sofern die Bedingungen erfüllt sind, auch Chance auf ein Monatsticket fürs Stadtgebiet Ostfildern).
Stufe 3 kommt für die Menschen mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit (Syrien, Irak, Iran und Eritrea) nicht in Frage. Diese bekommen (nach der Anerkennung) einen Integrationskurs vom BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) plus Fahrtkosten zum nächstgelegenen Kursort bezahlt. Für diese vier Nationalitäten empfiehlt es sich (aufgrund der hohen Bleibewahrscheinlichkeit) eine Vorabbewilligung beim BAMF auf einen Integrationskurs zu beantragen (bitte Rücksprache mit den hauptamtlichen Sozialbetreuern).

Zusatz-Info
Zusätzlich gibt es immer wieder in unregelmäßigen Abständen Sprachkurse, finanziert vom Arbeitsamt, vom Europäischen Sozialfonds (EFS) und dem Landkreis Esslingen selbst. Diese haben unterschiedliche (und nicht verlässlich planbare) Kriterien und Sprachzielniveaus – manche bis Niveau B2. Mal zählt die Bleibewahrscheinlichkeit, mal stehen sie allen Nationalitäten offen, mal haben Flüchtlinge, die sich für Mangelberufe (z.B. Altenpflege) interessieren, Vorrang. Clearingstelle ist meist die DAA Kirchheim (Deutsche Angestellten Akademie). Die Fahrkarte wird (in der Regel) bezahlt. Kontakt bitte immer über den Vorstand (Doris Blessing).

VABO-Klassen (Vorqualifizierungsjahr Arbeit und Beruf für Jugendliche ohne Deutschkenntnisse)
Alle jüngeren Flüchtlinge (das Anmeldealter wurde aufgrund der langen Wartelisten erneut gesenkt auf derzeit 20 Jahre) sollten an den Kreisberufsschulen (in Esslingen und Nürtingen) sowie dem Schulwerk Mitte in Nürtingen (Träger ist die Bruderhausdiakonie Reutlingen) angemeldet werden (Rücksprache mit den Sozialbetreuern). In den VABO-Klassen lernen die jungen Flüchtlinge Deutsch, können bei guten Leistungen einen weiterführenden Kurs besuchen und deutsche Schulabschlüsse erwerben. Allen Schülern wird eine Fahrkarte bezahlt.
Empfehlung: weitere Unterstützung von Ehrenamtlichen.

Deutsch selbst lernen am PC
Der Freundeskreis hat derzeit in allen GUs Computer und die Sprachsoftware Rosetta Stone bereitgestellt. Hier können die Geflüchteten in Eigeninitiative weiter lernen, alleine oder im Kurssystem mit Ehrenamtlichen.
WIFI-Box: Ebenfalls am PC Deutsch lernen unter Anleitung von SprachlehrerInnen können Geflüchtete in der WIFI-Box. Die Firma DAT hat auf ihrem Gelände im Scharnhauser Park (Niemöller Straße) drei Container aufgestellt, die mit PCs und jetzt auch mit Internetzugang ausgestattet sind.
Kontakt: Sonja Neubrand (E-Mail: DAT_wifibox@web.de
Öffnungszeiten: siehe http://fkasyl-ostfildern.de/dat-wifibox/

C2
C1 Der Nachweis von Deutschkenntnissen auf dem C1 Niveau ist erforderlich, um auf Deutsch zu studieren
B2 Der Nachweis von Deutschkenntnissen auf dem B2 Niveau ist in vielen Fällen für die Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen erforderlich
Orientierungskurs
(60 Unterrichtseinheiten)
Vermittelt wird Basiswissen über Politik, Geschichte und Kultur in Deutschland, mit dem LiD-Test wird der Orientierungskurs beendet, der Integrationskurs ist dann abgeschlossen
Integrationskurs B1.2
(100 Unterrichtseinheiten)
der Kurs wird mit der skalierten DTZ-Prüfung beendet, möglich sind der Abschluss A2 oder B1, je nach erreichter Punktzahl
Integrationskurs B1.1
(100 Unterrichtseinheiten)
Zielniveau B1
Integrationskurs A2.2
(100 Unterrichtseinheiten)
Integrationskurs A2.1
(100 Unterrichtseinheiten)
Zielniveau A2
Integrationskurs A1.2
(100 Unterrichtseinheiten)
am Ende des Kurses sollte das Zielniveau A1 erreicht sein
Integrationskurs A1.1
(100 Unterrichtseinheiten)
Zielniveau A1
Vorkurs/Basiskurs
50 Unterrichtseinheiten an der VHS, finanziert durch FlüAG-Gelder und Familienpass
Zielniveau A1

40 Unterrichtseinheiten in der Unterkunft
(werden von ehrenamtlichen SprachlehrerInnen erteilt)

 

 „Deutsch lernen mit System“ (Druckversion)


Foto: Andrea Körfer-Naujoks
Foto: Peter Dietrich