Hier stellen sich in lockerer Folge Mitglieder des Freundeskreises vor, erzählen über Ihre Motivation und über Ihre beruflichen und privaten Hintergründe.

Gabriele Zeitler

„Ein großer Beweggrund für meine Mitarbeit im Freundeskreis Asyl ist es, ein Statement zu setzen und zu zeigen, dass unsere Gesellschaft nicht ausländerfeindlich ist und Flüchtlinge hier willkommen sind.“ Im Januar 2016 kam Gabriele Zeitler zunächst als Sprachhelferin zum Freundeskreis Asyl, bevor Sie im Juli 2016 die Gesamtkoordination für die Gemeinschaftsunterkunft Schillerschule in Ruit übernommen hat. Sie kümmert sich um die Organisation und darum, dass der Informationsfluss zwischen Helfern, der Stadt Ostfildern und den rund 100 Bewohnern bestmöglich funktioniert. Ein besonderes Augenmerk legt Zeitler bei ihrer Arbeit auch auf die 26 Flüchtlinge unter 21 Jahren, denen sie allen einen Platz in einer VABO-Klasse (Vorbereitungsjahr für Arbeit und Beruf) vermitteln konnte. Von den Männern wird sie gerne „Tante“ genannt, denn für viele ist sie eine wichtige Vetrauensperson, Streitschlichterin und „Ersatz- Mama“, die für die Nöte und Sorgen der Männer ein offenes Ohr hat. In ihrer Freizeit lernt die 53-jährige Sekretärin und 2-fache Mutter erwachsener Kinder selbst arabisch und ist Mitglied im deutsch-arabischen Kulturzirkel Hiwar in Stuttgart. „Die ehrenamtliche Arbeit mit und für die Flüchtlinge bereitet mir sehr viel Freude. Wo sonst kann man so eng mit anderen Kulturen zusammen kommen?“
Kontakt: gbzeitler@aol.com

Andrea Koch-Widmann

Es war die Katastrophe am 3. Oktober 2013, die Andrea Koch-Widmann aus ihrem 
Fernsehsessel trieb. An diesem Tag ertranken vor der italienischen
 Insel Lampedusa fast 400 Menschen. Das gab für sie letztlich den Anstoß,
 sich in der Flüchtlingsarbeit zu engagieren. Inzwischen haben sich
 viele engagierte Bürgerinnnen und Bürger in Ostfildern gefunden, die die seit Anfang 2014 in Ostfildern lebenden Flüchtlinge unterstützen. Im April 2014 wurde der Verein Freundeskreis Asyl Ostfildern gegründet; Andrea Koch-Widmann hat den Freundeskreis zwei Jahre als Vorsitzende mit Geschick und Nachdruck geführt. Im Juli 2016 hat die lange Jahre bei der Stuttgarter Zeitung tätige Journalistin sich beruflich verändert und als Angestellte der Stadt Ostfildern die neu geschaffene Stelle für Integration übernommen. Seit 22 Jahren lebt sie in der
 Parksiedlung; sie ist verheiratet, hat zwei erwachsene Söhne. Im Urlaub zieht es sie immer wieder in die
 Ferne, und manchmal auch hoch hinaus – wie etwa zum Wandern ins 
indische Tibet (Ladakh).
Kontakt: asyl.ostfildern@gmx.de

Rüdiger Bachmann

Gerne möchte Rüdiger Bachmann einen Beitrag dazu leisten, dass die Asylbewerber ein Stück Heimat, Akzeptanz und Freundschaft bei uns finden. Dazu motiviert ihn zum Einen die Aufforderung aus der Bibel, den Fremden nicht zu bedrücken, sondern zu achten. Zum Anderen möchte er ein Stück Zeit und Leben teilen, weil er selbst in seinem Leben schon viel Gutes erfahren durfte. „Es ist bereichernd und beeindruckend, welch feine Menschen unter den Asylbewerbern sind und wie sie bei allen traumatischen Erlebnissen, die sie mitbringen, ihre Gastfreundschaft leben, wenn man sie besucht“, hebt er hervor.
Rüdiger Bachmann war zwei Jahre Schatzmeister des Vereins und kümmert sich nun wieder mehr um den direkten Kontakt mit den Flüchtlingen. Er wohnt im Scharnhauser Park, ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von 17 und 13 Jahren. Als Fachkrankenpfleger arbeitet er in einem Stuttgarter Krankenhaus auf der Intensivstation.
Kontakt: cr.bachmann@gmx.de

Gertrud Binder
(Ansprechpartnerin Sprachgruppe)

Gertrud Binder gibt Asylbewerbern Deutschunterricht und koordiniert die Arbeit der Sprachlehrergruppe aus inzwischen 19 Ehrenamtlichen. „Deutsch lesen und schreiben, vor allem sprechen und verstehen zu lernen“, sieht sie als grundlegende Voraussetzung für die Integration. Wichtig ist ihr auch das Lernen in Alltagssituationen.
Hilfreich sind ihre Erfahrungen als Lehrerin an Grund- und Hauptschulen, als Ausbilderin und stellvertretende Seminarleiterin am Lehrerseminar Nürtingen. Diese Erfahrungen vertiefte sie durch ein Studium und die Promotion an der PH Ludwigsburg sowie durch die Beschäftigung mit der Sprachentwicklung von Kindern. Die Arbeit mit Erwachsenen aus anderen Sprachräumen bietet neue Herausforderungen.
Als bereichernd empfindet sie die vielfältigen, aus der Arbeit entstehenden Kontakte zu den Flüchtlingen und den Mitstreitern im Freundeskreis. Im Ruhestand hat sie eine „erfreuliche Menge an selbstbestimmter Zeit“. Es bleibt Raum für ihre drei Kinder und sechs erwachsenen Enkel, für Freunde, für die Kirchengemeinde und für Friedensarbeit, Konzert und Theater.
Kontakt: binder.gertrud@arcor.de

Andrea Schwin-Haumesser
(Anprechpartnerin Patengruppe)

„So viele Krisenherde in der Welt, so viele Menschen, die Gewalt und Grausamkeiten erleben… Das Glück, hier in Frieden und Demokratie leben zu können, wird mitunter viel zu wenig geschätzt!“ – Andrea Schwin-Haumesser möchte dazu beitragen, Menschen zu helfen, die vor Krieg, Ungerechtigkeit und staatlicher Willkür fliehen. Sie sollen sich hier willkommen fühlen und die notwendige Unterstützung im Alltag erhalten.
Andrea Schwin-Haumesser lebt seit fast 20 Jahren in Ostfildern, ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Die Stadt erlebt sie als weltoffen und ihre Vertreter und Bewohner in vielen Bereichen als sehr engagiert und diskussionsbereit. Gerne möchte sie ein Stück dieses „schön, hier zu leben“ mit an die „Neuen“ vermitteln. Als Koordinatorin der Patengruppe sorgt sie dafür, dass die anerkannten Flüchtlinge bei der Suche nach Wohnungen, Ausbildungsstellen, Schulen, Jobs oder Studienplätzen ausreichend Unterstützung bekommen.
Sie arbeitet als gesetzliche Betreuerin beim Verein für Betreuungen e.V. in Esslingen. Dort unterstützt sie Menschen mit seelischen, geistigen oder körperlichen Behinderungen. In ihrer Freizeit treibt sie Sport, spielt Theater, liest Bücher und kocht gerne für Familie und Freunde.
Kontakt: schwinhaumesser@gmail.com

Wolfgang Schröder

Als Wolfgang Schröder hörte, dass Flüchtlinge nach Ostfildern kommen, war ihm klar, dass er helfen würde. Zwei Gründe haben ihn dazu bewogen. Zum Einen hat er während eines elfjährigen Aufenthalts in Indonesien „selbst erfahren, was es bedeutet ein Fremder zu sein“; er unterichtete dort Elektrotechnik und kümmerte sich gemeinsam mit seiner Familie um Obdachlose. Dort hat er auch gelernt, dass der Umgang mit Menschen aus einem anderen kulturellen Hintergrund eine Herausforderung ist – es aber sehr lohnend und bereichernd ist, sich darauf einzulassen! Zum Anderen möchte er „ein wenig von dem vielen Guten, das ich in meinem Leben erfahren habe, weitergeben – vor allem auch an Zeit“, betonte Wolfgang Schröder, der die Gruppe Alltagsbegleitung leitete. Leider musste aus gesundheitlichen Gründen diese Aufgabe niederlegen.
Am 15. Januar 2017 ist Wolfgang Schröder nach geduldig ertragener Krankheit verstorben. Die ihn kannten, schätzten ihn als einen sehr herzlichen und zugleich besonnenen, Ruhe ausstrahlenden Menschen. Für viele war er Vorbild im Umgang mit den Geflüchteten.

Marita Berenz

Marita Berenz hat schon in den 1990er Jahren Kindern, die mit ihren Familien aus Russland zugewandert waren, Deutschunterricht gegeben. Heute unterrichtet sie nun junge Männer aus Syrien, Pakistan und Gambia in der deutschen Sprache und hilft ihnen bei der Lösung vieler praktischer Probleme. Das von ihr Ende 2014 initiierte Kulturfest war ein großer Erfolg, insbesondere, weil es als ein Fest des gegenseitigen Gebens und Nehmens“ gestaltet war. „Ich helfe auch deshalb gern, weil mir selbst in meinem Leben viel Gutes widerfahren ist“, betont sie. Zudem habe sie „eine Menge sympathischer Menschen kennengelernt, sowohl unter den Flüchtlingen als auch unter den Unterstützern im Freundeskreis“.

Dr. Naima Takatert

Aufgewachsen ist sie in Casablanca und der dort erlebte respektvolle Umgang arabischer, französischer, portugiesischer und spanischer Familien untereinander hat sie geprägt. „Ich habe früh verstanden, dass das Leben in Vielfalt möglich ist“, sagt Naima Takatert. Die promovierte Ökologin und Projektmanagerin hat in Frankreich studiert und lebt seit 1998 in Deutschland. Schon während des Studiums hat sie arabischen Kindern Nachhilfe und Frauen Alphabetisierungskurse gegeben. Neben Deutsch spricht die verheiratete Mutter zweier Buben (15 und 8 Jahre) Französisch, Englisch und Arabisch.
Zurzeit ist sie Patin einer syrischen Familie mit drei Kindern, unterstützt weitere syrische Familien und hilft den algerischen Asylbewerbern bei Behörden- und Arztbesuchen. Zudem dolmetscht sie für Asylbewerber beim sozialen Dienst der Stadt Ostfildern.
„Menschen fliehen vor Kriegen, totalitären Regimen und Armut. Ihnen möchte ich mit der Arbeit für den Freundeskreis Asyl wieder Hoffnung geben“, begründet sie ihr Engagement und ergänzt: „Flüchtlinge brauchen Hoffnung auf Sicherheit und Frieden sowie das Beste, was ich selber erlebt habe: Menschen, die einem Fremden Willkommen sagen und mit ihm ein Lächeln teilen.“