Einen großen Schritt weiter ist das Projekt Café Syria beim Wettbewerb um den mit 100.000 Euro dotierten Deutschen Integrationspreis der Hertie-Stiftung. Mit viel Einsatz und Überzeugungskraft ist gelungen, das Finanzierungsziel von 10.000 Euro nicht nur zu erreichen, sondern rund sogar 11.600 einzuwerben. Die insgesamt 34 erfolgreichen Projekte aus ganz Deutschland – von ursprünglich 150 Projekten – waren am 19. und 20. Mai 2017 zu einem Workshop der Hertie-Stiftung nach Frankfurt eingeladen. Manoli Owes und Ursula Zitzler vertraten das Café Syria. Bei der Veranstaltung im Museum für Angewandte Kunst sowie im Social Impact Lab am Rande des Uni-Campus ging es es unter anderem um das Kennenlernen und die Vernetzung der erfolgreichen Projekte. In drei drei Workshops und so genannten Barcamps hatten die Teilnehmer Gelegenheit, sich mit den Themen „Wirkungsvolle Finanzierung“, „Rechtsformen“ sowie „Unser Ziel: Impact! – Doch was ist eigentlich Wirkung?“ auseinanderzusetzen. Auch der weiteren Bewerbungsverlauf wurde vorgestellt: Jedes Projekt muss nun bis zum 15. Juli ein so genanntes factsheet ausfüllen, in dem nochmals die Besonderheiten, die Übertragbarkeit und der Integrationsbeitrag des jeweiligen Projekts überzeugend beschrieben werden. Anhand dieses factsheets wird die Jury eine Vorauswahl von sechs bis acht Projekte treffen. Diese werden am Tag der Preisverleihung, dem 26. Okober 2017, in Frankfurt bei einem „Pitch“ nochmals ihr Projekt vorstellen. Erst dann fällt die endgültige Entscheidung für die drei Gewinner. Die Preisverleihung geht dann um 19 Uhr über die Bühne. Es bleibt spannend!

Bild: Sonja Abele

Jeden zweiten Donnerstagnachmittag geht es im Treffpunkt Parksiedlung um ein jeweils wechselndes Wunschthema, mit dem sich eine internationale Frauengruppe bei Tee und Gebäck beschäftigt. Diese Gruppe freut sich immer über Zuwachs. Gesichtsmassage heißt es dieses Mal. Die Slowakin Denisa (38) wird bald in die Slowakei zurückkehren und verabschiedet sich mit diesem Beitrag von den Frauen, die sie in kurzer Zeit lieb gewonnen hat. Nach ihren Anweisungen streichen und ziehen nun 14 Frauen im Alter zwischen 82 und 18 Jahren ihre Stirnfalten glatt, blasen die Backen auf und platzen immer wieder mit lautem Lachen heraus, weil das Gegenüber gar zu komische Grimassen schneidet. Das Entspannen, Massieren, Ruhe finden und Was-für-sich-selbst-Tun bietet viel Anlass zu Heiterkeit. Und ganz beiläufig entspinnt sich daraus mit Hilfe der Übersetzung durch die Studentin Jasmin ins Arabische ein reger Austausch über Henna und seine Anwendung und darüber, wie die Haare unter den Kopftüchern aussehen.
Geli, städtische Hausmeisterin im Anschlusswohnen für Flüchtlinge, und ihr Kollege haben aus Kemnat Syrerinnen und eine Afghanin mit ihren beiden kleinen Kindern per Auto zum Treffen gebracht. Frau Al Scheick (42) ist seit 16 Monaten in Deutschland, sie hat sieben Kinder, nur zwei ihrer Töchter sind bei ihr. Dabei sitzt auch Frau Sbelo, sie hat drei kleinere Kinder vor zwei Jahren aus Syrien mitgebracht. Frau Olleka (49) hat acht Kinder, ihre beiden Töchter, 19 und 18 Jahre, sitzen auch in der Runde. Alle haben sich am Anfang vorgestellt, auch Halez aus dem Irak, die schon seit 2001 in Deutschland lebt, oder Oma Margarete aus Ruit, eine seit Jahrzehnten bestens integrierte Berlinerin, die sich in der Runde wohl fühlt. Sie wird demnächst „Frauenbilder“ zum Thema machen, wobei es um Assoziationen geht zu Fotos, die sie mitbringt. Vor drei Jahren ist Annika aus Siebenbürgen in die Parksiedlung gezogen und jetzt Teil der Frauengruppe geworden. Zum ersten Mal hat es bei Christine (57), Physiotherapeutin aus Ruit, geklappt, zum Frauentreff zu kommen.
Marcela Ulloa und Beatrice Vermeij-Böhm organisieren die Treffen. Sie haben viele Berührungspunkte festgestellt zwischen ihren Bürgerstiftungs-Projekten eins plus b und Mentoringprogramm und sich als Koordinatorinnen dieses Format ausgedacht. Es findet immer mehr Anklang und ist offen für Besucherinnen, die Interesse an einem Austausch haben, ein bis zwei Stunden in gemütlichem Rahmen entspannen wollen und sich gleichzeitig anregen lassen zur Beschäftigung mit Themen, die mal gar nichts mit Politik, Flucht, Not zu tun haben. Themen, die Frauen jeder Herkunft interessieren.
Theaterübungen und persönlicher Ausdruck sind am 29. Juni Thema und am 13. Juli wird syrisch gekocht.

Am Freitag, 28. April öffnete die Ibus-Lernwerkstatt seine Türen für die Öffentlichkeit. An diesem Tag konnten sich alle Interessierten und Medienverteter ein Bild vom Projekt „Integration-Beschäftigung-Unterstützung-Sprache“ machen, welches unter der Trägerschaft des Kreisdiakonieverband Esslingen in Kooperation mit der Stadt Ostfildern und dem Freundeskreis Asyl ins Leben gerufen wurde. In dem von der Stadt  zur Verfügung gestellten Gebäude in der Hindenburgstraße 47 in Nellingen werden die Kleiderkammer und die Fahrradwerkstatt des Freundeskreis Asyl, sowie die Ibus-Lernwerkstatt unter einem Dach geführt. Das Ziel ist, in der Lernwerkstatt Flüchtlingen handwerkliche Grundkenntnisse in den Gewerken Elektro, Holz, Metall und Malen, sowie allgemeine Kenntnisse, etwa Arbeitsschutz und Sicherheit zu vermitteln. In den gut ausgestatteten Werkstätten im Untergeschoss des Gebäudes werden derzeit 16 Flüchtlinge von den beiden Handwerksmeistern Erich Claß (Gewerk Malen) sowie Sascha Thie (Gewerk Elektronik) unterrichtet und so auf das Arbeitsleben in Deutschland vorbereitet. Die Männer erhalten nach erfolgreicher Teilnahme eines zwölf Wochen dauernden Kurses ein Zertifikat, das Ihnen später die Türen bei Arbeitgebern öffnen kann. Projektleiter Friedrich Becker vom Kreisdiakonieverband achtet dabei darauf, dass die Teilnehmer pünktlich zu den Kursen erscheinen und führt ein Arbeitsbuch, indem die Arbeit der Männer dokumentiert wird. Finanziert wird das Angebot von der deutschen Fernsehlotterie. Förderer wie der ehrenamtliche Tat und Rat Service Ostfildern, sowie die Weihnachtsspendenaktion der Esslinger Zeitung haben die Einrichtung unterstützt.
Hierzu einige Bilder vom Tag der offenen Tür

Für die Zukunft sind zwei weitere handwerkliche Bereiche vorgesehen. Hierfür werden  Handwerker aus den Gewerken Metall und Holzverarbeitung gesucht, die Lust haben Flüchtlinge in regelmäßigen Unterrichtseinheiten in die Fachbereiche einzuführen. Weitere Informationen erhalten alle Interessierten gerne bei Andrea Koch-Widmann unter a.koch-widmann@ostfildern.de.

Viele Menschen engagieren sich in Ostfildern  in der Flüchtlingshilfe, viele von ihnen interessierten sich auch für die Qualifizierung, die die Volkshochschule eigens für sie 2016 angeboten hatte. 23 Teilnehmer, die eine der Veranstaltungsreihen im Bereich Flüchtlingsarbeit und/oder Sprache bzw. für DolmetscherInnen komplett besucht hatten und der Einladung zu dieser kleinen Feier gefolgt waren, erhielten am Mittwoch, den 3. Mai  ihre Zertifikate aus der Hand von OB Christof Bolay.  „Diese Engagierten wollten nicht nur etwas machen, sondern wollten es mittels dieser Qualifizierung auch gut machen“ lobt Bolay die Ehrenamtlichen. Er hoffe, sie könnten es nun auch gut anwenden. So wie Maren Hänssler, die ihren ersten Deutschunterricht vor zwei Jahren als „Sprung ins kalte Wasser“ beschreibt. Sie belegte den Kurs für ehrenamtliche Sprachbegleiter zur Unterstützung des professionellen Unterrichts, der Kurs habe ihr geholfen im Nachgang besser zu verstehen, was sie da, im Anfang noch ohne größere Vorbereitung, gemacht hatte. Und die sogenannte Basisqualifizierung half ihr zu größerer Sicherheit in rechtlichen Fragestellungen. Lodi Alsalman wiederum, die selbst vor 25 Jahren aus Syrien nach Deutschland gekommen war und jetzt die Dolmetscherqualifikation besuchte, erinnert sich wieder an ihre eigene Integrationsgeschichte und will gerade darum helfen.  Die kompletten Veranstaltungsreihen, so VHS-Leiterin Irene Baum, förderte die Landeszentrale für politische Bildung, die VHS kooperierte dabei mit der städtischen Koordinierungsstelle Flüchtlingshilfe und dem Freundeskreis Asyl.  Nicht wenige der Teilnehmer, die auch nur einzelne Module der jeweiligen Veranstaltungsreihe belegen konnten, kamen übrigens aus Esslingen, Kirchheim, Nürtingen oder Filderstadt,  Ostfildern füllte hier offenbar eine Angebotslücke.


Text: Thomas Hüsson-Berenz, Fotos: Marita Berenz, Andrea Koch-Widmann

Seit November letzten Jahres organisiert Familie Bretschneider jeden zweiten Sonntag Kochkurse für Flüchtlinge in der Erich-Kästner-Schule in Nellingen. Zusammen mit den Teilnehmern kochen die Ehrenamtlichen mit Bekannten aus der Evangelischen Kirchengemeinde und des CVJM in Nellingen im Wechsel heimische und italienische Gerichte wie Spätzle und Spaghetti, sowie Rezepte aus den unterschiedlichen Herkunftsländern der Flüchtlinge. In kleinen Gruppen werden die verschiedenen Gerichte an den vier Kochstellen der Schulküche zubereitet und nach getaner Arbeit natürlich auch gemeinsam an einer großen Tafel verköstigt. Anschließend wird ganz selbstverständlich und gemeinschaftlich die Küche wieder in Ordnung gebracht. Rebekka Bretschneider, Lehrerin an der Erich-Kästner Schule, organisiert und leitet die Abende hauptsächlich. Jeder der Teilnehmer trägt mit einem Euro zu den Kosten bei, die ansonsten von der Evangelischen Kirchengemeinde Nellingen getragen werden. Das Angebot wird von den Männern sehr gut angenommen, in der Regel nehmen 10 bis 12 Flüchtlinge aus verschiedenen Unterkünften in Nellingen daran teil.
Weitere ehrenamtliche Helfer und interessierte Flüchtlinge sind jederzeit herzlich zu diesen regelmäßig stattfindenden Kochnachmittagen eingeladen.
Kontakt: Manfred Bretschneider unter manfredbretschneider@arcor.de

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